Wandlung beginnt oft in einem Moment, der alles verändert. Nicht laut, nicht geplant – eher wie ein leiser Riss im Gewohnten. Plötzlich verlieren vertraute Strukturen ihre Sicherheit, und es wird spürbar, dass Kontrolle nur begrenzt trägt. In solchen Augenblicken entsteht eine Frage, die nicht im Kopf, sondern im Inneren beantwortet wird: Bin ich bereit loszulassen – und einer tieferen Führung zu vertrauen, die sich nicht immer erklären lässt?
Meine künstlerische Arbeit entsteht genau dort. Ich stehe vor der leeren Leinwand und weiß nicht, was geschehen wird. Ich sehe Farbe, ich sehe Fläche – und ich beginne zu fühlen. Es gibt kein Konzept im klassischen Sinn. Ich arbeite in einem intuitiven Prozess, der mich immer wieder auffordert, Kontrolle abzugeben: Schicht um Schicht entsteht ein Bild, ohne dass ich im Voraus weiß, wohin es führt. Oft ist es, als würde ich einer inneren Stimme folgen – einer Form von Wissen, die leise ist, aber klar. Vielleicht ist es Intuition, vielleicht etwas Größeres. Entscheidend ist: Ich vertraue. Manchmal bleibt ein Werk Tage oder Wochen im Atelier stehen. Ich bin im Dialog mit ihm, schaue hin, höre zu, warte nicht auf „Ideen“, sondern auf Stimmigkeit. Und wenn der Moment kommt, öffnet sich das Bild weiter – als würde es sich selbst freigeben. Dieses Gefühl, wenn ich weiß: Jetzt trägt es die richtige Energie, jetzt ist es vollbracht, jetzt darf es in die Welt – ist für mich eine Form von Klarheit, die nur aus Hingabe entsteht